Abmahnanwalt Guido Sandhase

Wer ein Onlinegeschäft betreibt, hat sie irgendwann im Kasten – die Abmahnung.

Jens gehört keinenfalls zu jenen Neuunternehmern, die mal eben auf die Schnelle ein Shopsystem installieren ohne zu wissen, worauf sie sich da einlassen.

Schaut man sich die Shopseiten oder Ebayauftritte diverser Mitbewerber an, stehen einem manchmal die Haare zu Berge, wenn man sieht, wie gekonnt Handelsgesetze und Richtlinien ignoriert werden.

Und man fragt sich unweigerlich: sind die Kollegen einfach nur furchtlos oder naiv?

Über Jens kann ich weder das Eine noch das Andere behaupten.

Er gab sich Mühe, alles den Richtlinien entsprechend aufzusetzen und mit akribischer Kontrolle Restrisiken zu reduzieren.

Nicht ganz billig aber nützlich erwiesen sich zudem Mitgliedschaften in entsprechenden Verbänden oder dem Händlerbund.

Also wurden wir Mitglied.

Es dauerte auch gar nicht lange und die erste Abmahnung fand ihren Weg in unseren Briefkasten.

Machen wir uns nichts vor – eine Abmahnung bedeutet STRESS.

Du bekommst ein Schreiben, in dem dir ein Vergehen vorgeworfen wird.

Mit diesem Vergehen hast du angeblich die Rechte eines Mitbewerbers geschädigt. Dann wird dir eine Ablasszahlung (oft in ganz saftiger Höhe) angetragen und zuletzt sollst du dann noch die sogenannte Unterlassungserklärung unterschreiben und nicht selten binnen von 3 Tagen zurückschicken.

Bitte? Was soll das mit den 3 Tagen, wenn ich doch einen Beratungstermin beim Anwalt erst in einer Woche bekomme.

Jens meint, das könnte eventuell sogar gewollt sein – möglichst viele nicht gut aufgeklärte juristische Laien in Angst zu versetzen und sie zu einer nicht gut überlegten schnellen Zahlung zu veranlassen.

Ach, ein Anwalt darf sich so verhalten?

Ja.

Und wir haben dazugelernt, insbesondere nachdem uns letztes Jahr eine ganz interessante Abmahnung erreichte.

Im Auftrag eines uns völlig unbekannten Mitbewerbers mahnte Rechtsanwalt Guido Sandhase (Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nicht zufällig) wegen einer juritisch noch nicht endgültig geklärten Sache ab.

Ich zog also jenen gelben Briefumschlag aus dem Kasten und noch am gleichen Abend starteten wir unsere Task Force.

Wir sind ein eingespieltes Team.

Während Jens die Kanzlei Sandhase intensiv unter die Lupe nahm, kümmerte ich mich um den sogannten Mitbewerber.

Es dauerte gar nicht lange und ich hörte von Jens` Schreibtisch ausgehend ein staunendes „Aha“, dann ein „Soso“ und zum Schluß ein „dem werd ich es zeigen“.

Jens hat nunmal ein wehrhaftes Gemüt.

Es stellte sich für Jens heraus, dass es sich bei Guido Sandhase um einen unter Onlinehändlern gut bekannten und viel verhassten Abmahnanwalt handelt. Dieser soll in der Vergangenheit für diverse Abmahnwellen, sogenannte Massenabmahnungen, verantwortlich gewesen sein. Nicht immer soll es dabei mit rechten Mitteln zugangen sein, so dass Herr Sandhase durchaus schon wegen mißbräuchlichen Abmahnens verurteilt wurde – und anscheinend nicht nur einmal.

Das ist ja interessant.

Ein Jurist der nachweislich betrügerisch tätig ist und immer noch Anwalt sein darf.

Auch meine investigative Tätigkeit blieb nicht ohne Lohn.

Ich machte also den Mitbewerber ausfindig und entdeckte seinen Onlineshop. Mit einem gewissen Staunen nahm ich zur Kenntnis, dass den Kunden in diesem Shop ganze 4 Artikel angeboten wurden.

Und ich dachte: damit hat er es aber schwer, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

4 Artikel und noch bemerkenswerter war der Umstand, dass ich nicht einen einzigen bestellen konnte, denn es gab schlichtweg gar keinen Warenkorb.

Ich hatte mich also vollkommen umsonst registriert.

Sollte das etwa bedeuten, dass der Mitbewerber gar kein Interesse an echtem Umsatz hat und hier einen sogenannten Fakeshop betreibt?

Hm

Jens und ich brachten unsere Erkenntnisse zusammen und stellten fest, dass wir wohlmöglich Opfer eines gross angelegten Betrugsversuches werden sollten….

…denn beim Verband meldeten sich im Stundentakt immer neue Onlinehändler zu Wort, die ebenfalls am gleichen Tag gelbe Umschläge aus ihren Briefkästen gefischt hatten.

In diesem Fall nahm der Verband sich der juristischen Abwehr an und wie mir gesagt wurde – erfolgreich.

Guido Sandhase war zum Gerichtstermin wohl gar nicht erst erschienen.

Trotz dieses Triumphes bleibt ein schlechter Geschmack auf der Zunge.

Welcher Berufsethik sind Anwälte eigentlich unterstellt? Und warum interessieren sich Staatsanwälte nicht für solch schändliches Treiben? Aber was mich am meisten umtreibt ist die Frage: Gibt es denn bei den Juristen kein Kontrollorgan, welches ein Interesse daran an, schwarze Schafe des Berufsstandes auszusortieren und den juristischen Beruf und seinen Ruf vor Schaden zu bewahren?

Wenn ihr eine Antwort habt, dann lasst sie mich wissen.

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