Von Tellern und alten Damen – Gastbeitrag von Artemis Prosopis

Um es dem Kunden möglichst einfach zu machen, bemüht man sich um Produktbilder, auf denen schon alles zu sehen ist. Der Text dient eher zur Untermalung und muss möglichst kurz sein – liest sonst eh keiner. Es kommt jedoch immer wieder vor, dass diese Maßnahmen keinen Erfolg haben. Als nette Verkäuferin möchte ich auch niemanden etwas unterstellen und gebe deshalb höchstens nochmal dezente Hinweise.

Nun trug sich heute Folgendes zu:

Mir schrieb eine Dame über Ebay Kleinanzeigen eine Anfrage zu zwei Tellern – einer Meissen, einer Tirschenreuth Porzellan.

Als gute Verkäuferin hatte ich beide Teller gründlich fotografiert. Die Teller konnten sowohl einzeln, als auch im Set zu einem etwas günstigeren Preis erworben werden.

So weit für mich – ganz eindeutig.

Nun wollte also eine Interessentin beide Teller zusammen erwerben und fragte mich, wo sie denn die Ware abholen könnte – der Artikelstandort ist im Angebot vermerkt.

Es stellte sich heraus, dass sie etwa 1,5 Autostunden entfernt wohnte. Daher schlug ich vor, die beiden Teller doch lieber sicher verpackt als Paket für 5 Euro zu ihr zu schicken. Worauf sie meinte, sie möchte sie aber holen, doch ob ich ihr nicht bis zur Hälfte des Weges entgegen kommen könnte – sie habe kein Auto.

Das schloss ich natürlich sofort aus, da mich allein die Bahnfahrt etwa 13 Euro gekostet hätte, von der Zeit gar nicht zu reden.

Mir erschien das Gespräch also immer sinnloser, besonders, da es nur um 8 Euro ging. Doch sie blieb dran und wollte die Teller wirklich abholen.

Da ich aber eh meinen Opa besuchen wollte, der ganz in der Nähe der Interessentin wohnt, machte ich ihr das Angebot, die Teller bis dahin mitzubringen. So könnte ich dort in dem netten Cafe noch mit meinem Opa einen Kaffee trinken. Sie nahm das Angebot gleich an und bat mich erneut, noch ein paar Stationen weiter zu fahren. Auch dies lehnte ich – natürlich – ab.

20 Minuten eher war sie schon am Treffpunkt und beklagte mein „Zuspätkommen“. Als sie dann die mitgebrachten Teller begutachtete, meinte sie: von dem einen habe sie schon 6 Stück und der andere sei ja nicht die Meißen Marke, die sie erwartet habe.

Mir fiel dezent die Kinnlade runter und ich teilte ihr mit, dass die Marken doch auf den Bildern zu sehen gewesen seien und die besagte Marke nunmal ebenfalls Meissen heisst – wie auf dem Foto eindeutig zu erkennen war.

Das habe sie nicht gesehen und dafür hätte sie auch nicht den weiten Weg gemacht, sagte sie und ging los. Mir blieb weiter der Mund offen stehen. Doch ich hatte nett Kaffee getrunken und war nicht etwa 4 Stunden für zwei Teller durch die Gegend gefahren, die ich am Ende nicht wollte, aus Gründen, die vorher zu sehen gewesen wären.

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